Wer macht das Rennen? Wer erhält die Finanzierung?

von Company Factory

Warum ein Startup für eine Finanzierung ausgewählt wird

Wie schaffen es Gründer, für eine Finanzierung in Frage zu kommen? Das fragen sich am häufigsten die Gründer selbst. Meist dann, wenn sie sich gerade wieder eine Absage von einem Investor abgeholt haben. Wer sich aus ähnlichen Anfängen hochgearbeitet hat, kennt die Situation, hat aber vielleicht in der Zwischenzeit auch schon auf der anderen Seite des Tisches gesessen. In diesem Fall kann man sich in die Gedanken beider Parteien hineinversetzen.

Anfängliche Begeisterung, unterschiedliche Gründe

Erstaunlich dabei: besonders am Anfang steht nicht nur beim Startup, sondern auch beim interessierten Investor eine Phase der Begeisterung für neue Konzepte und Geschäftsmodelle. Während Gründer nun bereits grosse Pläne schmieden, wollen Investoren aber handfeste Belege sehen – irgendeinen Anhaltspunkt, dass diese Pläne aufgehen können. Warum ein Startup in dieser Phase für einen Investor interessant ist? Nun ja, es hat sich noch nicht bewährt. Das heisst, sein Wert ist – noch – niedrig und der Investor steigt zu den denkbar günstigsten Bedingungen ein.

Findet sich kein Geldgeber, müssen Gründer nun als nächstes eine Umsetzungslücke meistern. Es fehlt oft an Kapital, um den nächsten Meilenstein im Businessplan zu erreichen. Viele Startups bleiben genau hier auf der Strecke, denn während dieser Phase sind Investoren eher nicht interessiert.

Finanzierungen scheitern an den Erwartungen der Gründer

Hat die Neugründung allerdings diese kritische Entwicklung überstanden, stellt sich beim Gründer eine Haltung übersteigerter Erwartung ein. Nun sieht es so aus, als ob das Geschäftsmodell sich bewähren wird und die Pläne aufgehen, aber ein echter Härtetest hat noch gar nicht stattgefunden. Die Folge: die Ansprüche gegenüber nun eventuell interessierten Investoren werden übersteigert, man verjagt sogar Interessenten.

Wer es richtig macht, träumt jetzt nicht vom Börsengang und zukünftigen Fusionen, sondern bleibt mit den Füssen auf dem Boden. Genau jetzt kann man eigentlich mit dem Fundraising anfangen – sofern die Vorstellungen zum Ist-Zustand passen. Wer diesen Moment mit der richtigen Einstellung abpasst und ausnutzt, kann jetzt seine erste Finanzierungsrunde bewältigen.

Es gibt mehr als eine Talsohle

Egal ob mit Geldgeber oder ohne, nach dieser scheinbaren Konsolidierung bleibt eine weitere Talfahrt nicht aus. Sobald ein Unternehmen erste Kunden sammelt stellt sich heraus, was wo überall noch nicht rund läuft. Auch jetzt kann es passieren (und passiert auch häufig), dass Meilensteine nicht erreicht werden. Diese Durststrecke gilt es zu bewältigen und einen guten Product-Market-Fit zu erreichen, damit ein Startup im wirklichen Leben ankommt und Investoren und Kreditinstitutionen echte Fakten für solide Finanzierungslösungen vorlegen kann.

Der Schwung, mit dem sich eine Neugründung entwickelt, und die entsprechende Begeisterung bei den Anlegern, dauern bei manchen Startups über die erste Finanzierungsrunde hinaus, bei anderen verflüchtigt sich der Elan schneller. Meist deshalb, weil sich die Prognosen nach ersten Höhenflügen nicht oder noch nicht bewahrheiten. Die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des ausgewählten Marktsegments treten nun zutage und die Illusion der unbegrenzten Skalierbarkeit schleicht sich von dannen. Auch die Komplexität des Geschäftsplans übersteigt bei den meisten Gründungen schnell die ursprünglich angedachten Dimensionen.

Am Ende wartet das wirkliche Leben

Überlebt das Startup einen solchen absoluten Tiefpunkt und bringt es fertig, die daraus gewonnenen Erkenntnisse in tageslichttaugliche Unternehmensstrategien umzusetzen, dann schafft es den Übergang zu einem wirklich lebensfähigen Unternehmen mit echtem Marktwert, der an vergleichbaren Organisationen gemessen werden kann. Hier geschieht der Eintritt in die reale Geschäftswelt – in der der Hype der «Initialzündung» nur noch eine Erinnerung ist und die Finanzierung greifbaren Faktoren unterworfen ist.

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