Warum Innovation oft scheitert und wie dies verhindert werden kann

Von Christoph Meili

Warum scheitert die Innovation in Unternehmen?

Innovativ sein – dass wollen alle, das müssen schliesslich auch alle. Aber in vielen Fällen klappt es nicht mit der Innovation. Die Angaben dazu, wie oft die Einführung neuer Konzepte scheitert, ist nicht eindeutig. Allerdings kann man von mindestens 60 % der Fälle ausgehen. Das ist viel, aber nicht hoffnungslos. Denn auch ein Fehlschlag kann unter Umständen ein Schritt nach vorn sein.

Damit das so ist, muss man natürlich auch die Flops nachbereiten. Warum ist genau diese Idee hier und jetzt fehlgeschlagen? Das zu wissen hilft, es beim nächsten Mal besser und möglicherweise richtig gut zu machen.

Top und Flop werden schon vor dem Launch bestimmt

Die Gründe für das Scheitern von Innovationen können unterschiedlich ausfallen. Vielleicht ist die angestrebte Leistung oder das Produkt einfach nicht gut genug, um sich im Markt durchzusetzen. Oder es könnte durchaus auch sein, dass bereits bei der Entwicklung und Produktion interne Schwächen auftauchen. Zu wenig Kapital hier, keine qualifizierten Mitarbeiter da…

Besonders dem Vertrieb kommt bei wirklich guten Angeboten eine hohe Bedeutung zu. Denn egal wie gut eine Sache ist: wenn das niemand weiss, verkauft sie sich auch nicht. Und auf der anderen Seite können sehr gute Vertriebsteams auch aus durchschnittlichen Erzeugnissen noch einen Hit machen. Hier lässt sich schon erkennen, dass die Umsetzung von Innovation zum grossen Teil davon abhängt, wie ein Unternehmen aufgestellt ist.

Vier Hauptgründe für Fehlschläge

Die vier häufigsten Gründe für Flops sollte jeder Manager kennen und immer im Auge behalten.

1. Falsche Entscheidungen

Fehlentscheidungen der Geschäftsführung beim Launch von Innovationen können in vielen Gebieten geschehen: bereits bei der Auswahl von Ideen und Konzepten, beim Entwurf von Strategien, während der Entwicklung und besonders infolge von Entscheidungen per Bauchgefühl – also überall dort, wo Manager sich von Meinungen leiten lassen, anstatt die Zahlen zu prüfen.

2. Keine Priorität für Innovation

Selbst wenn sich das Unternehmen Innovation auf die Fahnen geschrieben hat – im Alltag bleibt oft alles beim Alten. Das liegt an der Unerbittlichkeit des Tagesgeschäfts. Das ist ja immer da, meist ist es auch dringend und geht eben vor. Dabei bleibt die Innovation auf der Strecke. Denn: das Tagesgeschäft spült Geld in die Kasse und Innovation kostet eben erst einmal Geld.

Wenn die Geschäftsführung hier nicht mit gutem Beispiel voran geht, geht es nicht vorwärts. Das ist umso wichtiger, als Änderungen überall und grundsätzlich auf Widerstände stossen. Selbst wenn es Änderungen zum Besseren sind, der Mensch klammert sich an das Bekannte – auch am Arbeitsplatz.

Wenn dazu noch eine Vergütung entsprechend der Leistung erfolgt, wird kein Mitarbeiter der Innovation Priorität einräumen. Damit Innovation auf allen Ebenen im Unternehmen angestossen wird, muss das Management eine Kultur der Innovation vorleben und aktiv fördern und als erstes die innovative Revolution vom Tagesgeschäft trennen.

3. Mangelnder Produkt-Markt-Fit

Leider ein häufiger Grund, warum es mit einer Neuerung nicht klappt – das neue Produkt sah theoretisch so gut aus. Leider stellt sich bei der Vermarktung heraus, dass man am Kunden vorbei entwickelt hat. Das muss heute nicht mehr sein. Das lange Tüfteln im Verborgenen kann sich kein Unternehmen mehr leisten. Die Softwareindustrie macht es vor: mit einer Testversion an den Start gehen und den Kunden in die Entwicklung miteinbeziehen. So weiss man immer, was gewünscht ist. In vielen Fällen lässt sich sogar recht gut ermitteln, was der Kunde bereit ist für ein innovatives Angebot zu zahlen. Das Internet erlaubt eine breite Palette von Kundenkontakten, von der Unternehmenswebsite bis hin zu differenziert genutzten sozialen Medien. Am Markt vorbei muss wirklich niemand mehr seine Neuerungen entwickeln.

4. Schleppende Bearbeitung

Auch das ist hinlänglich bekannt: je grösser ein Unternehmen, um so langsamer die Prozesse, meist aufgrund umfangreicher Bürokratie. Dabei geht es bei Innovation doch meist gerade um Schnelligkeit, um rasches Reagieren auf veränderte Märkte und das Schaffen eines Wettbewerbsvorteils. Hier können grössere Firmen von den agilen Strukturen und flachen Hierarchien in Startups eine Menge lernen. In kleinen, schnellen Sprints werden Projekte vorwärts gebracht, mit einem hohen Mass an Offenheit für Kurskorrekturen unterwegs.

Innovation fängt innerhalb der Organisation an!

Nur in den seltensten Fällen liegt das Scheitern eines innovativen Projekts an der ursprünglichen Idee. Verfolgt man die Handlungsstränge, die zum Flop führen, stellt man stattdessen fest: es gibt interne Gründe dafür, warum Innovation nicht funktioniert.

Innovationsmanagement muss von der Geschäftsführung angestossen und mitgetragen werden. So können nicht nur interessante Konzepte erarbeitet, sondern anhand von früheren Fehlschlägen auch Schwächen oder Lücken im Inneren aufgedeckt und behandelt werden. So schafft man Rahmenbedingungen, die den Weg zur Innovation glätten und damit die Umsetzung neuer Massnahmen wesentlich erleichtern. Investitionen in das Innovationsmanagement sind damit Ausgaben, mit denen sich ein Vielfaches für gescheiterte Konzepte einsparen lässt.

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