Die optimale Unternehmerin

Von Anita Eckardt

Firmen suchen oft nach unternehmerisch denkenden Mitarbeitenden und Führungskräften. Tatkräftige Menschen, die ihre Zeit optimal einteilen, auf den Punkt kommen und nicht nur ihre Arbeit effizient erledigen, sondern auch die Zukunft gestalten wollen. Das Profil eines perfekten Mitarbeiters zu definieren, ist jedoch nicht ganz einfach.

Ist eine Frau zu sein ein Handicap?

Neulich suchte ich zu diesem Thema Inspiration. Als berufstätige Mutter von 3 Kindern habe ich letztens zum ersten Mal in meinem Leben in einem Forum für Frauen in Führungspositionen teilgenommen. Bis heute habe ich mich immer dagegen gewehrt, weil ich persönlich das Thema als uninteressant einstufe. Allerdings zeigt mir meine bisherige Erfahrung, dass es hier in der Schweiz unheimlich schwierig sein kann, weibliche Führungskräfte zu finden. Das ist natürlich schade, denn dem Suchenden entgehen dabei etwa 50% der Talentmasse.

Die Teilnahme in dem erwähnten Forum hat mir überraschende Erkenntnisse gegeben. Ich habe zugehört und mich darüber gewundert, wer entschieden hat, dass Frauen Hilfe brauchen, um die Herausforderungen einer Führungsposition anpacken zu können? Dass sie sozusagen für diese Position befähigt und inspiriert werden müssen. Ich habe mich gefragt, wann es zu einem Handicap wurde, eine Frau zu sein? In den meisten Ländern Europas konnte eine Frau noch vor 100 Jahren ohne die schriftliche Genehmigung ihres Mannes nicht einmal Geld in einer Bank abheben – auch hier hatte die Schweiz alles andere als eine Vorreiter Rolle. Offensichtlich ist das verrückt und heute glücklicherweise auch nicht mehr der Fall.

Geschichte ist Geschichte!

Seitdem sind wir einen langen Weg gegangen. Nicht zuletzt auch, weil wir darüber reden. Frauenrechte, Gleichberechtigung und vieles mehr. Und wir feiern unsere Fortschritte, das ist wichtig! Aber wann hat sich die Diskussion von der Frage: «wie wir Gleichberechtigung schaffen», hin zu der Frage: «wie wir Frauen „stärken“» entwickelt? Wer entschied, dass Frauen Empowerment und Inspiration brauchen? Ich glaube nicht, dass wir das tun. Die Gesellschaft tut es. Männer tun es. Zumindest, wenn sie nur 5% Frauen einstellen oder vergessen, auch Frauen und Mütter als Führungskräfte zu betrachten.

Auf Augenhöhe

Vielleicht ist es immer noch so, dass sich Frauen für das praktische Zuhause in der Familie am stärksten einsetzen und es schaffen wollen, sowohl Arbeit als auch Familie zu meistern. Vielleicht gehören deswegen auch Mütter zu den effizientesten Menschen, die ich kenne. Meister darin, ihre Zeit optimal einzuteilen, auf den Punkt zu kommen, die Arbeit effizient zu erledigen und die Zukunft zu gestallten. Genau, wie es ihnen die meisten Unternehmer mit begrenzten Ressourcen und einer brennenden Plattform gleichtun.

Mein Punkt ist Folgender: Frauen brauchen keine Sonderbehandlung. Sie müssen nicht mit inspirierenden Inhalten von weiblichen Vorreitern gelockt werden. Nimm nicht an, dass sie den Push oder die Ermächtigung brauchen, um Dinge zu tun. Sprich mit ihnen auf Augenhöhe, denn genau dort, auf Augenhöhe, finden sich die optimalen Unternehmerinnen.

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