Unternehmensfinanzierung im Kontext von New Business Development Projekten – es gibt noch viele ungenutzte Potenziale

Von Beat Scheidegger

Beat Scheidegger, lic.rer.pol. und EMBA Digitale Transformation. Er ist Unternehmer und Verwaltungsrat in mehreren KMUs. Zu seinen Erfahrungen zählen unter anderem zehn Jahre M&A / Unternehmensentwicklung in börsenkotierten Unternehmen, sowie zehn Jahre Tätigkeit als geschäftsleitender Partner einer mittelgrossen Strategieberatung. Nebenamtlich ist Beat ausserdem Dozent für Unternehmensfinanzierung an der HTW Chur im EMBA New Business Development.

Getrieben durch die Digitalisierung erleben wir eine exponentielle Beschleunigung von Marktveränderungen. Die Konsequenzen: ein sinkendes Kerngeschäft, die klassischen Innovationen reichen nicht mehr fürs Wachstum, die (Produkt)-Lebenszyklen verkürzen sich, die Margen werden kleiner. Wenn die Erträge sinken, gleichzeitig der Bedarf an Innovation jedoch steigt, so ist klar, dass die Herausforderung der Finanzierung der Zukunftssicherung gross ist!
Wie können wir Mittel freisetzen? Welche Finanzierungsquellen sind geeignet, um Unternehmen zu unterstützen? Auf diese Fragen will ich hier eingehen. Der Fokus liegt dabei auf KMUs und auf der Finanzierung von Projekten für die Entwicklung von neuen Geschäften.

In der klassischen Lehre wird zwischen Aussen- und Innenfinanzierung unterschieden (siehe Abbildung oben).

Innenfinanzierung – der erste Schritt zu mehr Geld!

Klar ist, dass hohe Erträge die Finanzierung vereinfachen. Es gibt aber auch andere Wege, Mittel freizusetzen. Hier eine Auswahl von drei grossen Hebeln:

  1. Aktives Management des Netto-Umlaufsvermögens (NUV): Die aktive Bewirtschaftung der Bilanz wird oft vernachlässigt, im Speziellen das NUV (Lager, Kreditoren, Debitoren). Das Lager als «totes Kapital» – Kreditoren, die wir früh zahlen – Kunden, die spät bezahlen. Diese Gegebenheiten binden Mittel und können sogar zu Liquiditätsproblemen führen. Häufig machen Lager, Kreditoren und Debitoren sogar mehr als die Hälfte der Bilanzsumme aus! Diese gilt es also aktiv zu bewirtschaften! Nutze die Mittelflussrechnung als Instrument, das NUV zu überwachen und zu steuern.
  2. Sale and lease back: Häufig bei Immobilien umgesetzt, ist Sale und lease back aber auch bei Anlagen möglich: Wir verkaufen unsere Anlage und mieten sie zurück. Das setzt Mittel frei, die wir in Geschäfte mit künftigen Erträgen investieren können.
  3. Lean Startup: Was hat das mit Unternehmensfinanzierung zu tun, magst du dich fragen. Sehr viel! Klassische Projektfinanzierung, bei welcher die Budgets von der Analyse bis zur Umsetzung zu Beginn festgelegt (und ausgegeben werden), verschlingen zu viele Mittel bei zu hoher Unsicherheit (siehe Darstellung unten). Deshalb: Unbedingt agile Methoden wie Lean Startup anwenden: Das spart Mittel und erhöht gleichzeitig sowohl die Geschwindigkeit, als auch die Sicherheit (und auch Fehlschläge werden viel früher erkannt).

Aussenfinanzierung – Alternativen zum klassischen Bankdarlehen

Auch hier möchte ich eine Auswahl von drei Instrumenten aufzeigen, die bei der Neugeschäftsentwicklung geprüft werden sollten:

  1. Crowdlending: Hierbei geht es um die Kreditvergabe von privaten oder juristischen Personen an andere Privatpersonen oder Unternehmen (auch „Peer-to-Peer-Lending“). Das Volumen von Crowdlending ist in den letzten Jahren in der Schweiz von 8.4 Mio. CHF (2015) auf 186.7 Mio. CHF (2017) gestiegen (IFC Crowdfuning Monitoring, 2018). Das zeigt, wie attraktiv diese Form der Finanzierung geworden ist. Plattformen wie swisspeers, lendico und viele andere tragen dazu bei, dass Crowdlending weiterhin wachsen wird.
  2. Fördergelder und Hochschulen: Es stehen verschiedenste «Töpfe» von Fördergeldern zur Verfügung, die auch KMUs zur Verfügung stehen:
  3. Ökosystem: Es mag überraschen, dies unter dem Aspekt der Unternehmensfinanzierung zu lesen. Die Erklärung: New Business Projekte sollten vermehrt mit Partnern zusammen entwickelt werden. Die Entwicklung mit den richtigen Partnern beschleunigt das Projekt, spart Mittel und reduziert das Risiko.

Das Fazit

Wenn wir als Unternehmer die Zukunftsfähigkeit unserer Firmen sichern wollen, müssen wir in immer kürzeren Abständen immer mehr innovieren. Das schaffen die wenigsten nur mit Eigenmitteln. Zur Hilfe gilt es drei Hebel zu nutzen:

  1. Öfter und mit kleineren Budgets innovieren (Stichwort Lean Startup)
  2. Mehr Instrumente der Innen- und Aussenfinanzierung nutzen
  3. Denken und handeln in Ökosystemen. Gute Partner sind Beschleuniger und Risikominimierer zugleich

Ich wünsche dir und deinem Unternehmen viel Erfolg beim Nutzen der Möglichkeiten.
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