Lösungsansätze für den Verwaltungsrat in Zeiten von zunehmender Digitalisierung, Dynamik und Unsicherheit

Von Beat Scheidegger

Beat Scheidegger, lic.rer.pol., verfügt über einen EMBA Digitale Transformation und ist zertifizierter Verwaltungsrat und aktiver VR in mehreren Firmen. Zu seinen Erfahrungen zählen unter anderem zehn Jahre M&A / Unternehmensentwicklung in börsenkotierten Unternehmen, sowie zehn Jahre Tätigkeit als geschäftsleitender Partner einer mittelgrossen Strategieberatung.

Als Unternehmer, Verwaltungsrat, Berater und Dozent entwickelt Beat Scheidegger Führungskräfte, etablierte Unternehmen und Startups weiter, die sich aktiv transformieren und wachsen wollen.

Im letzten Blog «Die Probleme des Verwaltungsrats in Zeiten von zunehmender Digitalisierung, Dynamik und Unsicherheit» habe ich drei wesentliche Faktoren aufgezeigt, die uns Verwaltungrsäte zunehmend herausfordern, wenn es um die Oberleitung der Gesellschaft geht. Heute möchte ich euch drei Erfolgsfaktoren – meine drei Favoriten – aufzeigen.

  1. Ändern der Denkhaltung vom Wissenden zum Fragenden

Wie bereits erwähnt, ist es zunehmend ein Irrtum zu glauben, dass wir Wettbewerbsvorteile langfristig halten können. Unsere Strategieprozesse und Führungssysteme sind jedoch häufig noch danach ausgerichtet. Überlege dir für dein Unternehmen, wie du Strategieprozesse in Zukunft gestalten willst, wenn es nicht mehr möglich ist, einen Mehrjahresplan umzusetzen, weil er bereits nach wenigen Monaten über Bord geworfen werden muss. Ein Ansatz ist es, sich intensiv mit der Vision des Unternehmens auseinanderzusetzen und sich dann Schritt für Schritt, wie ein Startup, auf die rasche Umsetzung von Initiativen zu fokussieren.

Hinterfrage die Kundenorientierung deines Unternehmens. Es ist «logisch», dass langjährige Mitarbeiter genau zu wissen glauben, was ihr Kunde will… doch warum gibt es immer noch viele Innovationsprojekte, die am Kunden vorbei entwickelt werden?

Lerne von Startups, die sich konsequent an Lean Startup Methoden orientieren. Startups haben am besten gelernt, wie es ist, mit wenig Geld maximale Wirkung zu erzielen und schnell aus Fehlern zu lernen. Die maximale Wirkung entfaltet sich meiner Erfahrung nach, wenn sich Startup-Kompetenzen mit dem Markt-Knowhow des Unternehmens verbinden – «das Beste aus zwei Welten» sozusagen. Das funktioniert bei KMUs sehr gut, ist bei Konzernen hingegen etwas schwieriger.

  1. Mit Dualer Transformation zum Wachstum

Es gibt nicht «DIE» Transformation. Unternehmen entwickeln sich dauernd weiter. Da es heute jedoch kaum mehr reicht, mit inkrementellen Innovationen zu Wachstum zu gelangen, braucht es zunehmend radikale Innovationen. Für die Entwicklung von inkrementellen Innovationen muss die Kernorganisation befähigt sein. Doch für radikale Innovationen braucht es andere Wege. Hierzu macht es meist Sinn, diese Aufgabe klar vom Rest zu trennen, also ausserhalb der Strukturen und Prozesse des Unternehmens. Es braucht andere Persönlichkeitsstrukturen, andere Methoden, andere Instrumente. Zu empfehlen hierzu «Dual Transformation» von Anthony, Gilbert und Johnson.
Als VR ist es unsere Verantwortung mitzubestimmen, wie viel Trennung und wie viel Nähe für das Unternehmen sinnvoll ist. Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, damit Wachstum durch Innovation möglich wird!

  1. Inklusion statt Exklusion – die Schaffung von Ökosystemen

Wenn sich das Wissen der Menschheit immer schneller verdoppelt, ist es immer unwahrscheinlicher, dass wir im Unternehmen (VR und operative Ebene) alles nötige Wissen «unter einem Dach» haben. Es braucht Inklusion statt Exklusion. Vermehrt trifft man daher «Coopetition» an: Kooperation mit einem Partner in einem Gebiet, Konkurrenz in einem anderen.

Schaff dir breite, offene Netzwerke. Lerne, nicht alles selbst machen zu wollen. Gehe aktiv neue Kooperationsformen ein, arbeite mit Freelancern, Company Buildern, Konkurrenten etc. zusammen. Nur so wirst du die nötige Geschwindigkeit erreichen, ganz im Sinne von Darwin: «Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste. Es ist diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann.“

Die Aufgabe des VRs ist es unter anderem, neue Ökosysteme zu gestalten, Beziehungsnetze aktiv zu pflegen und einzubringen, eine offene Haltung einzunehmen und in einen Modus von Testen und Lernen zu kommen.

Fazit

Gelingt es uns im VR (und im Unternehmen), die Strategie, Kundenorientierung und Transformation neu zu definieren und danach zu handeln, so bin ich überzeugt, den Leistungsauftrag «Oberleitung der Gesellschaft» maximal positiv beeinflussen zu können.

Dazu braucht es in vielen Fällen dieses Umdenken.

Ich freue mich auf deine Meinungen, Erfahrungen und Ergänzungen in den Kommentaren.

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