Innovation Labs – was bringen sie wirklich?

Von Company Factory

Innovation ist angesagt – und das vor allem bei grossen Konzernen. Viele leisten sich Innovationslabore, die frischen Wind in alte Strukturen bringen sollen.

Die Grundidee: Eine besondere Abteilung, die von der ersten zündenden Idee bis hin zur praktischen Vermarktung Neues auf die Beine stellt. Dabei sind die Labs meist in einer abgesonderten Umgebung untergebracht oder sogar ausgegründet. So soll ausdrücklich Abstand geschaffen werden zu allem, was das Unternehmen bisher gemacht hat. Auch räumlich. Die Bezeichnung «Lab», kurz für Laboratorium, unterstreicht, dass Experimente ausdrücklich erwünscht sind. Dabei gehen manche Unternehmen mit der verordneten Lockerheit im Innovation Lab so weit, dass man sich wie in einer Studenten-WG fühlt, und keinesfalls am Arbeitsplatz.

Nur: Machen bunte Büromöbel und unkonventionelles Aussehen wirklich Innovation her? Wie sinnvoll sind Innovation Labs wirklich – und für wen?

Was macht ein Innovations-Labor effektiv?

Zunächst einmal kommt es nicht auf die Äusserlichkeiten an. Eine strukturelle und auch räumliche Trennung von anderen Abteilungen macht jedoch Sinn. So wird die Eigenständigkeit unterstrichen. Vorteilhaft ist, dass der Labor-Gedanke auf die Teilnehmer befreiend wirkt. Sobald die Möglichkeit eingeräumt wird, Ideen durchzuspielen, stösst man abseits der ausgetretenen Pfade möglicherweise auf ganz neue Resultate. Besonders für kreative Mitarbeiter, deren Vorschläge bislang immer beiseite gewinkt wurden, ist ein Innovation Lab ein wunderbares Substrat, um sich einzubringen.

Von der Theorie zur Praxis: Wenn Innovation misslingt

Problematisch ist hingegen, dass andere Abteilungen das Innovation Lab zumindest als Krabbelstunde der Privilegierten wahrnehmen können – wenn nicht sogar als ausgesprochene Bedrohung der eigenen Konzepte. Das kann bei der Umsetzung durchaus guter neuer Ideen massive Probleme verursachen. Zumindest die Geschäftsleitung muss daher die Innovation mit verantworten und begleiten. Das erfordert natürlich eine feine Balance zwischen Anleitung und Einfach-mal-machen-lassen. Schliesslich bringt man eine Gruppe von Kreativen nicht an den Tisch, um ihnen vorzuschreiben, was sie zu tun haben.

Womit Neuerung gelingt

Viel Vertrauen und eine gute Zusammenstellung des Innovationsteams ist also das A und O – und darüber hinaus bietet ein solches Lab natürlich eine perfekte Schnittstelle zur Aussenwelt. Am Innovation Lab können externe Spezialisten für befristete Zeit oder einzelne Projekte andocken, die das Unternehmen als Ganzes bislang nie in Betracht gezogen hat, die Innovation aber schubweise voranbringen können.

Auch eine Vernetzung über die eigenen lokalen und Branchengrenzen hinaus sind der Umsetzung neuer Konzepte förderlich. Denn wenn ein Innovation Lab nur ein jüngerer Klon des Unternehmens ist, wird es sich in denselben ausgetretenen Bahnen bewegen wie der Mutterkonzern.

Das wird vor allem deutschen Innovationswerkstätten angelastet. Allzu gleichförmig ist die Landschaft, und zu dünn die Versorgung mit erfahrenen Fachkräften. Ein weit gespanntes Netz kann Lücken schliessen helfen. Technisch längst möglich ist die Kooperation mit Spezialisten, die dazu nicht eigens aus Übersee eingeflogen werden müssen. Wer wirklich innovative Ideen entwickeln will, kann gleich bei der Teamstruktur und bei den Kooperationspartnern damit anfangen – dann ist das Lab auf dem besten Weg, seinem Namen gerecht zu werden.

Oft ist dies jedoch nicht der Fall. Denn mitunter gerät ein Innovationslabor zur Fassade, zu einer Kulisse, die man der Aussenwelt vorführt, ohne dass sie jedoch ihren Zweck erfüllt. Selbst wenn die eine oder andere originelle Idee geschaffen wird, spätestens bei der Umsetzung wird irgendwo in der Geschäftsleitung die Bremse gezogen.

Schluss mit dem Innovations-Theater!

Wer ein echtes Innovation Lab anstelle eines Innovations-Theaters einrichten will, muss auf einer neuen, innovationsfreudigen Management-Kultur aufsetzen. Ob das den etablierten Grosskonzernen gelingt, ist fraglich – Startups hingegen bringen die erforderlichen kulturellen Voraussetzungen in vielen Fällen schon mit. Deshalb ziehen sie in manchen Bereichen mühelos an den Dinosauriern der Börsenindizes vorbei.

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